Sehbehinderten- und Blinden-Zentrum Südbayern

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Symbolik eines Zeichens


Grundstein im SBZ

Ein Dreikreis-Symbol wurde als Zeichen gewählt, das den geistigen Hintergrund des Sehbehindertenzentrums widerspiegelt. Das Konzept beruht auf den Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens.

 

 


Wer nach Unterschleißheim kommt, sieht am Ortseingang einen Wegweiser mit der Inschrift "Sehbehindertenzentrum". Er führt uns immer näher zur Edith-Stein-Schule. Der letzte dieser öffentlichen Wegweiser zeigt genau auf unser Zeichen. Es besteht aus drei Kreisen, die einander berühren, aber nicht überschneiden und von einem großen Kreis umschlossen sind. In jedem der drei kleineren Kreise steht ein Symbol: der Mensch, das Kreuz und das Auge oben.

 


Es wird damit Bezug genommen auf das Colloquium Misericordiae in den Exerzitien des hl. Ignatius. Dort begegnet der Mensch seinem Gott. Er schaut auf das Kreuz Christi und erkennt, wie in ihm Gott auf ihn herunter blickt. Aus dieser Begegnung soll der Mensch sein eigenes Leben gestalten in der Hinordnung auf das letzte Ziel. Die Gedanken der Exerzitien werden angewandt auf die Edith-Stein-Schule.

Der Sehgeschädigte (Kreuzkreis)

Das Symbol zeigt einmal den sehgeschädigten Menschen, der mit seinem Auge sein Kreuz hat, weil er nicht die volle oder gar keine Sehkraft mehr besitzt. Im Sehbehindertenzentrum soll ihm geholfen werden, sich zu entfalten, damit er sich in die Gesellschaft der Normalsichtigen voll integrieren kann.

Ich selbst (Menschkreis)


Es gibt aber noch eine andere, grundlegende Deutung. Wenn wir das Zeichen genauer betrachten, sehen wir uns selbst dargestellt in diesem Augenblick, in dem wir auf das Zeichen schauen. Schauen wir das Zeichen ganz genau an:

  • Im Menschenkreis ist ein Mensch dargestellt. Ich, der Betrachter, bin auch ein Mensch.
  • Im Augenkreis ist ein Auge dargestellt. Ich, der Betrachter, besitze auch ein Auge.
  • Der Kreuzkreis stellt ein Zeichen dar. Das Dreikreissymbol ist auch ein Zeichen.

Kurz und zusammenfassend gesagt: Unser Zeichen symbolisiert den Satz: Ein Mensch schaut ein Zeichen. Genau das aber tut in diesem Augenblick der Betrachter. So kommt es, daß er überrascht fest- stellt: Das, was hier durch das Zeichen ausgedrückt wird, bin ich selbst in diesem Augenblick. Das erinnert an den berühmten Satz, mit dem für viele das neuzeitliche Philosophieren beginnt: "Ich denke, also bin ich." (Descartes)


Edith Stein, die Patronin unserer Schule, war eine bekannte Philosophin. Ähnlich wie ihr berühmter Lehrer Edmund Husserl und viele andere Philosophen hat sie in ihrem Hauptwerk "Endliches und Ewiges Sein" (vgl. 11 § 2) und anderweitig "die Tatsache des eigenen Seins als Ausgangspunkt der sachlichen Untersuchung" gemacht. Nicht zuletzt diese ihre Geisteshaltung war es, die uns bewogen hat, Edith Stein zur Patronin unserer Schule zu machen.

Das Dreikreissymbol macht jeden aufmerksam auf sich selbst. Jetzt in diesem Augenblick und hier am Eingang fordert es den Betrachter auf: "Schau auf den Sehgeschädigten! "

Ich und der Sehgeschädigte (Augenkreis)

Im Dreikreissymbol ist allgemein der Mensch als Ich (im Menschkreis) und im besonderen der Behinderte (im Kreuzkreis) dargestellt. Beide müssen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander schauen, "Rücksicht" nehmen (Augenkreis). Die Kreise berühren einander, aber überschneiden sich nicht, das heißt: Gemeinschaft und Selbständigkeit sind verlangt. Es bedarf einer ganzheitlichen Struktur, in der alle aufeinander hingeordnet sind.

Ziel: Entfaltung zu Person (Ganzkreis)

Wir sagen: Der Sehgeschädigte soll sich zur Person entfalten. Was meinen wir da mit?

  1. Es gibt einen gleichbleibenden Kern: das Ich. Dieses Ich bleibt immer bei mir, wohin ich auch gehe und wo immer ich bin.
  2. Die Gegenstände, die mir begegnen, wechseln. Jetzt schaue ich am Eingang das Dreikreissymbol. Gehe ich durch die Schule, so spreche ich mit einem anderen. Ich bleibe, der Gegenstand wechselt.
  3. Ich und meine Gegenstände treten in mannigfaltige Beziehungen. Sie sollen die Struktur eines dauerhaften Ganzen erhalten, das alles Wirkliche, Mögliche und Notwendige einbezieht.

Dieses dauerhafte Beziehungsgefüge nennen wir Charakter. Aber erst wenn ich mich selbst in dieses Ganze einbeziehen kann, werde und bin ich Persönlichkeit. Wie man dazu wird, lehrt am besten die konkrete Wirklichkeit unserer Geschichte.

Entfaltung der Person:

(1) Die Person als selbstbewußtseinsfähiges, mit sich identisches Einzelwesen,

(2) entfaltet sich,


indem sie sich dem öffnet und hingibt, was ihr begegnet, und dazu in vielfältige Beziehung tritt,


sich selbst prägt zur selbständigen Persönlichkeit und in sich eine ideale Innenwelt hervorbringt,


durch ihr Schaffen in der Außenwelt Kultur erzeugt und sich selbst verwirklicht und darstellt in ihr

(3) In dieser Entfaltung vollendet sich die Person als solche:


Sie macht sich zum selbstbewußten, selbstbestimmenden, selbständigen Glied im Ganzen der personalen Welt.


In ihr wird die Selbstidentität des Ich vollendet in der vollen Selbsthingabe an das Du des anderen.


Die Person weiß sich dazu gerufen von der Person, die alles Sein begründet. Wir nennen sie Gott. Dieser Gott sagt: Ich will dich!

"Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne."

(Bayerische Verfassung, Artikel 131)

(Zu Teil 2)