Sehbehinderten- und Blinden-Zentrum Südbayern

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FZS 2000 Unterschleißheim mit Blinden?

Unterschleißheim Samstag, 24. April 1999

Über die Zukunft des Förderzentrums für Sehgeschädigte in Unterschleißheim

Am 30. Mai 1995 wurde unsere Einrichtung in Unterschleißheim von der Regierung von Oberbayern in ein Förderzentrum für Sehgeschädigte (FZS) umgewandelt. Dabei wollten wir keinesfalls mit der Landesschule für Blinde (nachfolgend kurz "Landesschule") konkurrieren. Im Gegenteil: Sowohl aus historischen wie aus sachlichen (und sogar aus persönlichen) Gründen meinen wir nach wie vor, die Landesschule sollte nach Möglichkeit erhalten werden.

Wegen der dramatisch sinkenden Kinderzahl geriet die Landesschule jetzt in existentielle Not. Auf der Konferenz des Kultusministeriums am 19. April 1999 wurde über die Zukunft der Landesschule nachgedacht. Es wird zwar behauptet, sie bleibe erhalten. Wenn jedoch in ihr keine Volksschüler, Realschüler, Berufsschüler mehr unterrichtet werden, existiert die Landesschule höchstens noch als Torso.

Trotzdem sollte man unseres Erachtens die Landesschule erhalten (auch als Schule). Uns scheint dies möglich zu sein, wenn die Landesschule mit uns im Rahmen unseres Förderzentrum zusammengeht. Diese These soll nachfolgend begründet und daraus die Konsequenzen gezogen werden.

  1. Prinzip, Fundament und Ziel unserer Arbeit.
    1. Grundprinzip: Sehgeschädigten helfen.
    2. Ziel unseres Einsatzes ist es, Sehgeschädigten zu helfen, sich mit und trotz ihrer Behinderung zu einer Persönlichkeit zu entfalten, die imstande ist, sich selbst im späteren Leben (vor allem in die Lebensgemeinschaft einer Familie und in die Berufsgesellschaft) zu integrieren.

    3. Ausgangsbasis: das bisherige Leben und die Familie.
    4. Die zu betreuenden Sehgeschädigten sind konkrete, einmalige Persönlichkeiten. Die Familie, in der sie geboren und aufgewachsen sind, kann in ihrer Bedeutung sowohl in positiver wie negativer Bedeutung kaum überschätzt werden. Vor allen hier müssen die Sehgeschädigten wie alle anderen zu Erwachsenen heranreifen. Unsere Einrichtungen können gegenüber den Eltern nur subsidiäre Hilfen anbieten. Diese selbst sind und bleiben die Hauptverantwortlichen.

    5. Bedeutung der Beratung (Frühförderung, Mobile Dienste etc).

    Unsere Beratungsstelle, vor allem die Frühförderung und die Mobilen Dienste sind von größter Bedeutung. Erst durch diese Beratung erhält unsere Einrichtung ihr existentielles Fundament. Nur wenn wir uns bei jedem Fall klar sind, worum es zu gehen hat, kann unsere Arbeit fruchtbar werden. Unser Verein hat sich im Geiste des Christentums seit seiner Gründung so verstanden. Dabei ist es unerheblich, ob der zu Betreuende Christ ist oder nicht. Entscheidend ist das Kreuz, das er zu tragen hat. Wir sind dabei bereit zu helfen. Das aber muß sehr konkret und individuell geschehen.

     

  2. Die zu betreuenden Sehgeschädigten
    1. Unsere derzeitige Betreuung von Sehbehinderten
      1. Umfang der derzeitigen Betreuung: etwa 400 Schüler
        1. Zur Zeit werden an unserem FZS etwa 208 Schüler betreut. Sie sind entweder in der Volksschule oder in der Realschule. Außerdem werden die meisten in einem Vollheim, einem 5-Tagesheim oder in einer Tagesstätte betreut. Darüber hinaus betreuen wir nochmals etwa 220 Schüler außerhalb Unterschleißheim durch unsere Beratungsstätte vor allem in der Frühförderung oder durch den Mobilen Dienst.

      2. Die kommende Verringerung der Kinderzahl bereitet Probleme

      Die sinkende Kinderzahl wird in der Zukunft auch uns immer mehr Probleme bereiten. Es ist deshalb auch für uns notwendig, sich auf diesen Sachverhalt einzustellen. Eine zusätzliche Beschulung von Blinden wäre auch für unsere Sehbehindertenschule praktisch von großem Vorteil. Ob eine Förderschule oder eine integrative Betreuung besser ist oder nicht sei dahingestellt. Bei sinkender Kinderzahl ist es jedenfalls notwendig, die behinderten Schüler zusammen mit anderen zu unterrichten.

    2. Andere Schüler (Legastheniker, Wahrnehmungsgestörte, Nichtbehinderte)
    3. Zur Zeit werden in unserem FZS neben Nicht-Behinderten auch Legastheniker und Wahrnehmungsgestörte unterrichtet. Dies geschieht, soweit unsere Kapazität reicht und dies den Sehgeschädigten hilft. Der Zahl der Schüler ist jedoch aus Platzmangel derzeit nur sehr beschränkt.

       

    4. Betreuung von Blinden in unserem Förderzentrum?
    5. Die neueste Frage ist: Wie können Blinde in diesem Rahmen betreut werden? Uns scheint für Blinde sowohl die schulische wie die Heimbetreuung in unserem FZS möglich.

      1. Schulische Betreuung
      2. Zur Zeit werden die Blinden von der Landesschule entweder mobil oder direkt betreut. Wir wenden uns der letzten Gruppe zu und antworten: Im Rahmen unseres Förderzentrums kann dies in zweifacher Hinsicht geschehen:

        1. Blinde in Klassen für Blinde:
        2. Entweder ist die Zahl der Blinden ausreichend groß, um Klassen bilden zu können. Dann kann die Landesschule für Blinde diese Aufgabe im Rahmen des Förderzentrums bewältigen. Die langjährigen Erfahrungen und Möglichkeiten der Landesschule sind dabei ein unbezahlbarer Schatz. Dieser kann in Rahmen des Förderzentrums erhalten, weiter gepflegt und fruchtbar gemacht werden.

        3. Blinde in Klassen für Sehbehinderte:

        Reicht die Zahl der blinden Schüler jedoch nicht aus, um eine Klasse zu bilden, können diese in den Klassen der Sehbehinderten unterrichtet werden. Diese Betreuung ist mindestens genauso gut wie eine mobile Betreuung an Regelschulen, wahrscheinlich sogar deutlich besser. Diese Arbeit kann durch die Landesschule analog dem Mobilen Dienst an unserem FZS erfolgen. Dabei dürften die so gewonnenen Erfahrungen auch für die mobilen Dienste wichtig sein.

      3. Die Bedeutung des Heimbereichs
      4. Neben der Betreuung in der Schule ist in vielen Fällen eine Betreuung im Heimbereich höchst bedeutsam und zwar unabhängig von der Schule wie auch zur Unterstützung für die Schule.

        1. Außerschulische Aufgaben bewältigen
        2. Schüler, die ein gutes Elternhaus besitzen, gut begabt sind, eine hilfreiche und verständnisvolle Schule und dergleichen mehr haben, können oft an Regelschulen unterrichtet werden. Aber diese idealen Voraussetzung sind keineswegs immer gegeben. Das Problem von Behinderten geht über den Schulbereich hinaus. Zahlreiche Schwierigkeiten lassen sich im Heimbereich oft besser bewältigen. Die Betreuung im Heimbereich ist deshalb von großer Bedeutung. Sie entlastet und hilft in vielen Fällen gerade beim Elternhaus. Auch bei anderen praktischen Probleme ist die Möglichkeit des Heimbesuches hilfreich, zum Beispiel bei der räumlichen Entfernung von der Schule, in einer konkreten familiären Situation und bei anderen Dingen. Für sehbehinderte Schüler ist das Heim bzw. die Tagesstätte oft die einzige Möglichkeit Selbständigkeit zu erlernen und Gemeinschaft zu erleben.

          Zum Sehschaden kommen nicht selten andere Schwierigkeiten. Dazu gehören Krankheiten wie Epilepsie, Gehirntumor etc., genetische Schäden, andere Behinderungen und ähnliches mehr.

        3. Die Schule pädagogisch unterstützen
        4. Aber auch für den Schulbesuch hilft die Heimbetreuung. Die Schule setzt Gemeinschaftsfähigkeit, Arbeitshaltung, Leistungsmotivation und andere voraus. Daß entsprechende Bedingungen vorliegen bzw. geschaffen werden, ist eine zentrale Aufgabe des Heimes. Viele Eltern sind froh, wenn ihnen in dieser Hinsicht durch eine Heimgemeinschaft geholfen wird. Werden diese Fragen bewältigt, wird die Effizienz der Schule mit Hilfe des Heimes erhöht.

        5. Psychologische Beratung auch für den mobilen Dienst
        6. Innerhalb des Heimbereiches ist im FZS eine psychologische Beratung eingerichtet. Hier werden konkrete Erfahrungen gesammelt und genutzt. Sie können über den Heimbereich hinaus auch für mobil betreute Schüler fruchtbar gemacht werden.

           

        7. Blinde im Heimbereich

        Die Landesschule betreut zur Zeit Blinde in ihrem Heim. Mit der Auflösung der Schule würde auch das entfallen. Im Rahmen unseres FZS bleibt der Heimbesuch und damit blieben die soeben genannten Vorteile erhalten. Die Landesschule hätte auch hier die äußerst wichtige Aufgabe die besonderen Probleme der Blinden im Rahmen unseres Förderzentrums in Angriff zu nehmen.

      5. Erhaltung der Blindenpädagogik

    Schlußfolgerung: Es ist wohl möglich, die Blinden durch die Landesschule in unserem Förderzentrum blindenspezifisch bestmöglich zu betreuen. Damit würde auch die Blindenpädagogik nicht nur theoretisch sondern konkret und praktisch erhalten und weiterentwickelt. Das gelingt sogar dann, wenn die Schülerzahl sinkt.

  3. Lehrer und Betreuungspersonal
    1. Erhalt des Erfahrungsschatzes von Fachpersonal
    2. Die sinkende Kinderzahl hat natürlich auch personelle Konsequenzen. Das Personal muß verringert werden. Das ist nicht zu vermeiden. Jedoch kann das Personal der Landesschule im Rahmen unseres Sehbehindertenzentrums noch relativ am besten erhalten werden. Die oben geschilderten pädagogischen Ziele braucht Menschen, welche diese Aufgaben engagiert, existentiell und fachkundig bewältigen. Lehrer, Pädagogen und anderes Personal der Landesschule können ihren unbezahlbaren Erfahrungsschatz einsetzen.

    3. Gesicherte Existenz der Personals der Landesschule

    Beim Personal der Landeschule für Blinde handelt sich grundsätzlich um staatliche Mitarbeiter. Wenn und insoweit sie an einer privaten Einrichtung wie in unserem Förderzentrum eingesetzt sind, ist der Schulleiter der Landesschule nach wie vor weisungsberechtigt. Darüber hinaus bleibt die Versorgung des staatlichen Personals nach wie vor und ungeschmälert gesichert. Die neuen Bestimmungen des Schulfinanzierungsgesetzes garantieren dies. Das Personal verliert somit keine Ansprüche gegenüber dem Staat.

  4. Räumliche Bedingungen

Von großer Bedeutung ist die Frage, nach den Räumen, die notwendig sind, um die genannten Aufgaben im Rahmen des FZS durch die Landesschule zu bewältigen. Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Räume im Gebäude der Landesschule in Nymphenburg
  • Räume im Gebäude des FZS in Unterschleißheim
  • Räume der Gemeinde Unterschleißheim

Darüber hinaus erklärte die Gemeinde bereits ausdrücklich ihre Hilfsbereitschaft, um die vorhandenen Problem zu lösen. Unser Verein legt großen Wert darauf, die überaus positive Einstellung der Gemeinde zu unserem Sehbehindertenzentrum zu berücksichtigen und möchte unter allen Umständen verhindern, daß die Gemeinde belastet wird.

    1. Die Landesschule am Wintrichring: nur noch vorübergehend möglich.
    2. Die Gebäude der Landesschule für Blinde am Wintrichring sollen offenkundig mehr oder weniger von der Landesschule für Gehörlose benutzt werden. Diese benötigt dringend neue Räume. Wann und inwieweit dies geschieht, kann derzeit kaum gesagt werden, schon gar nicht von uns. Es scheint aber in wenigen Jahren ein Einzug der Gehörlosen möglich. Es ist also die Frage zu stellen, ob und inwieweit in Unterschleißheim Räume zur Verfügung stehen oder erstellt werden müssen.

       

    3. Das ZFS in Unterschleißheim hat gewisse Erweiterungsmöglichkeiten.
      1. Derzeitiger Status des FZS
      2. Das FZS in Unterschleißheim ist großzügig angelegt. Die Schule ist jedoch erweiterungsbedürftig, das Heim unterbelegt, die Tagesstätte dagegen viel zu klein. Vor allem macht es ein vor kurzem gefaßter Landtagsbeschluß notwendig, die Realschule um 50% auf 6 Klassen zu erweitern.

      3. Erweiterungsmöglichkeiten?

      Eine gewisse Erweiterungsfähigkeit besteht. Sie ist bereits beim Neubau vorgesehen worden. So ist die Schule von 18 auf 24 Klassen vergrößerbar. Ein Teil des Heimgeländes ist ebenfalls bebaubar. Allzu viel Platz steht jedoch nicht zur Verfügung. Wir haben dem Bürgermeister und einer Schulleiterin das Problem vorgetragen. Eine spürbare Hilfsbereitschaft hat uns sehr ermutigt, wenngleich in dieser Kürze keine verbindliche und konkrete Leistung erwartete werden kann.

       

    4. Kann die Gemeinde Unterschleißheim helfen?

 

In unmittelbarer Nachbarschaft des FZS befindet sich an der Raiffeisenstraße auf einem großen Grundstück eine Grundschule mit etwa 16 Klassen. Die enorm günstige Lage dieser Nachbarschule läßt uns fragen, ob in ihr nicht Räume für uns gewonnen werden können.

Unsere Vorgespräche mit dem Bürgermeister und der Schulleiterin ermutigten uns sehr. Vor allem eröffnet das Absinken der Schülerzahl Chancen. Bereits im nächsten Schuljahr kann anscheinend mindestens ein Raum für unsere Schule zur Verfügung stehen. Ob und inwieweit künftig noch mehr Räume zu haben sind, ist noch zu untersuchen. Interessant scheint auch eine engere Kooperation mit der Grundschule zu sein, zum Beispiel der Unterricht für Legastheniker. Die äußerst entgegenkommende Haltung von Herrn Bürgermeister Zeitler und ungewöhnliche Aufgeschlossenheit der Schulleiterin, Frau Sauter hat uns beeindruckt und verpflichtet uns schon jetzt zu Dankbarkeit.

  1. Finanzierung und Wirtschaftlichkeit.
  2. Es ist nicht ausgeschlossen, daß zunächst noch kein Neubau erforderlich ist, vor allem wenn es gelingt die Schule an der Raiffeisenstraße zu gewinnen. Jedoch muß die Gemeinde entsprechend entschädigt werden. Diese Entschädigung bewegt sich aber wohl im Rahmen der ohnehin zu tragenden Kosten. Bei den finanziellen Engpässen können die Kosten eventuell deutlich minimiert werden.

     

  3. Bedeutung der Bezirke
    1. Bedeutung der Sehgeschädigtenpädagogik für die Bezirke.
    2. Unser Verein hat am 18. Juli 1979 mit den südbayerischen Bezirken einen Rahmenvertrag zur Errichtung des Sehbehindertenzentrums in Unterschleißheim geschlossen. Darin verpflichtet sich der Verein, die Sehbehinderten aus Südbayern in Schule und Heim aufzunehmen und zu betreuen. Damit übernimmt der Verein eine Bezirksaufgabe.

      Eine Erweiterung auf Blinde läge auch im Interesse der Bezirke. Es ist gelungen, in Unterschleißheim eine allseits anerkannte Einrichtung zu schaffen, die letztlich dem Bezirk gehört. Dieser kann sich hier rühmen, die Geschichte des Sozialwesens in Bayern fortzuführen. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts soll König Ludwig I. erklärt haben: "Ich will meine blinden Landeskinder nicht verstecken! Sie kommen auf den schönsten Platz." In der Tat errichtete der König gegenüber der Bayerischen Staatsbibliothek in der Ludwigstraße die Landesschule für Blinde. Allein die Titulierung "meine blinden Landeskinder" beweist die beeindruckende Einstellung des Königs zu den Blinden. Durch die Unterstützung der Bezirke bei der Aufnahme der Landesschule für Blinde in unser Förderzentrum würden die Bezirke die rühmenswerte Geschichte unserer Heimat Bayern fortführen.

    3. Die Augsburger Blindenschule und die Landeschule für Blinde.
    4. Zu bedenken ist auch, daß die Geschichte der ehemaligen Augsburger Blindenschule immer sehr eng verbunden war mit der Geschichte der Landeschule für Blinde. Früher hat man nicht genügend unterschieden zwischen Blinden und Sehbehinderten und in zwei Schulen unterrichtet. Heute unterscheidet man zwischen beiden Behindertengruppen und verteilt sie auf die beiden Schulen. Nun könnten sie in einem Förderzentrum differenziert zusammengeführt werden. Der Bezirk Schwaben und der Bezirk Oberbayern waren immer freundschaftlich eingestellt.

    5. Wirtschaftlich Gesichtspunkte für die Bezirke

    Von allen ideellen und sozialen Gesichtspunkten abgesehen, muß auch wirtschaftlich gesehen der Bezirk eine Erweiterung begrüßen. Durch das zu befürchtende Absinken der Kinderzahl berührt auch unser FZS. Durch diese Entwicklung steigen die Kosten je Behinderten. Dem könnte gegengesteuert werden durch die Aufnahme von Blinden in unser FZS. Deshalb liegt es im Interesse der Bezirke, den Verein bei diesen seinen Bemühungen zu unterstützen.

  4. Verhältnis zu anderen Einrichtungen
    1. Förderzentren in Süd- und Nordbayern.
    2. Wie stellt sich die Einbeziehung der Landeschule in den Rahmen unseres FZS dar? Die Sehgeschädigtenerziehung in Bayern verteilt sich auf Nordbayern und Südbayern. In Nürnberg ist bereits ein Förderzentrum für Sehgeschädigte an einem Ort vorhanden. Durch die vorgeschlagene Zusammenführung von Blinden- und Sehbehindertenschule in das Förderzentrum entstünde in Südbayern ein Äquivalent zu Nordbayern.

    3. Die Blindeninstitutstiftung Würzburg
    4. Diese betreut die geistig behinderten Sehgeschädigten in beachtlicher Weise. Es ist sinnvoll, die geistig Behinderten eigens zu betreuen. Das Ziel einer Pädagogik für diese unterscheidet sich wesentlich von unserer Aufgabe. Der geistig Behinderte und andere schwerst Behinderte kann wohl kaum eine selbständige Existenz erringen. Vor allem im Berufsleben wird es einem geistig Behinderten schwerlich gelingen, selbständig zu werden. Hier geht es darum, eine menschenwürdige Existenz zu gewährleisten, die gerade diese Menschen benötigen wie kaum andere, weil sie nicht imstande sind ein ausreichendes Verdienst aus eigener Kraft zu erzielen.

    5. Der Bayerische Blindenbund

    Wenn der Blindenbund sich um die berufliche Eingliederung besonders kümmert, so ist das begrüßenswert. Das setzt aber voraus, daß durch eine hinreichende Beschulung diese Eingliederung möglich wird. Für ein Förderzentrum ist es aber wichtig zu wissen, ob und wie die Schule auf das Leben vorbereitet hat. Eine enge Zusammenarbeit ist deshalb auch hier erforderlich.

  5. Rechtliche und organisatorische offene Fragen
  6. Da wir bereits ein Förderzentrum für Sehgeschädigte sind, bedarf es in dieser Hinsicht keiner weiteren rechtlichen Schritte. Es ist lediglich zu vereinbaren, wie die Landesschule innerhalb des Förderzentrums verankert wird, um eine Zusammenarbeit zu gewährleisten. Das Förderzentrum betreibt private Schulen. Ob und inwieweit die Landesschule ihren Charakter als eigene staatliche Schule behält, ist eine Frage, die wir schlecht beurteilen können. Wir bitten die Behörden um eine entsprechende Beratung. Es muß nur die Effizienz unserer Arbeit und unsere Selbständigkeit gewährleistet werden.

  7. Schlußfolgerung

Wir haben uns die Frage gestellt, ob innerhalb unseres Förderzentrums die Landesschule einen Platz findet, der es erlaubt, die Schule weiter zu erhalten. Das wichtigste Ergebnis:

  • Die pädagogische Betreuung ist unter Wahrung der verschiedenen pädagogischen Zielsetzungen bei Blinden und Sehbehinderten denkbar. Durch eine flexible Gestaltung kann es gelingen den Rückgang der Kinderzahl aufzufangen, ohne die Landesschule als Schule aufzulösen.
  • Es ist wohl bereits sofort möglich, blinde Realschüler aufzunehmen. Für die weitere Entwicklung kann wahrscheinlich mittels der benachbarten Grundschule Raum gewonnen werden. Die Gemeinde wird uns, soweit das überhaupt möglich ist, entgegenkommen. In einer knappen Zwischenzeit stehen wahrscheinlich die bisherigen Räume in Nymphenburg teilweise noch zur Verfügung. Es darf jedoch keine Zeit versäumt werden, um in dieser knappen Zeit zu einem Ergebnis zu kommen.
  • Damit nicht auch unser bisheriges Zentrum in den Sog der sinkenden Schülerzahl gerät, ist es notwendig, Blinde Schüler auch bei uns zu betreuen, vor allem wenn es nicht gelingt, die Landesschule zur Zusammenarbeit in unserem FZS zu gewinnen. Sonst ist zu befürchten, daß auch wir am Ende nur noch verteilt werden und die enormen Erfahrungen, Kräfte und Einrichtungen zugunsten unserer Sehgeschädigten verloren gehen.

Besonders wichtig ist die Stellungnahme der Landeschule zu unseren Vorstellungen. Es wäre ein großer Gewinn, wenn wir zu einer Zusammenarbeit mit der Landesschule kämen und damit dem Wohl unsere sehgeschädigten Kinder und Jugendlichen.