Sehbehinderten- und Blinden-Zentrum Südbayern

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Die SVE - Schulvorbereitende Einrichtung


Das Bindeglied zwischen mobiler Frühförderung und Schule ist unsere SVE. In einem heimeligen Holzpavillon sind zwei Gruppen untergebracht. Jede Gruppe wird von einer Heilpädagogin - unterstützt durch eine Kinderpflegerin - geleitet.

Die SVE verfügt über einen eigenen kleinen Turnraum, ein Musikzimmer, einen Dunkelraum zur gezielten Sehrestschulung, einen großen Vorraum für Gemeinschaftsaktionen bzw. Feste und einen Garten der nur von unseren Kindern genützt wird.

Selbstverständlich arbeiten wir interdisziplinär, d.h. unsere Fördermaßnahmen werden durch eine Physiotherapeutin, eine Musiktherapeutin und eine Sonderschullehrerin ergänzt. Ebenso halten wir Kontakt zur Frühförderung und zur Schule.

Sehbehinderte und blinde Kinder benötigen frühzeitige, gezielte und kontinuierliche Förderung, um später einen möglichst guten Start ins Schulleben zu haben. Deshalb nehmen wird Kinder bereits ab drei Jahren auf und begleiten sie bis zum Schuleintritt.

Stiftung Landesblindenanstalt unterstützt die musikalische Frühförderung in der schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) des SBZ


In der Musikalischen Frühförderung werden Kinder im Vorschulalter durch die Bereiche Singen - Sprechen, elementares Instrumentalspiel, Bewegung – Tanz – szenisches Spiel altersgemäß an die Musik herangeführt.
Erziehung zur Musik, Erziehung durch Musik kann dankenswerterweise seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 durch die Unterstützung der Stiftung Landesblindenanstalt für die Jüngsten des SBZ ermöglicht werden!

Neben der spielerischen Vermittlung von Kenntnissen, z.B. Lieder, Sprechreime, Spielen elementarer Instrumente, Tänze, Werkhören, werden kindliche Entwicklungsbereiche gezielt gefördert. Sehbehinderte und blinde Kinder profitieren in besonderer Weise vom gemeinsamen  Musizieren, da wichtige Förderbereiche tangiert sind.

Musik als Kunstform bietet dem Menschen einen lebensbereichernden Schatz. Hörbare Kunst ist sehbehinderten Menschen gut zugänglich, kann sich im Laufe des Lebens vertiefen und  muss durch vielfältige Erfahrungen, bestenfalls im Kindesalter, grundgelegt sein. Da die Kinder der SVE Unterschleißheim nur bedingt in Musikschulen Anschluss finden würden, ist das Angebot der Musikalischen Frühförderung in den Gruppen der SVE eine sehr gezielte und effektive Form, auf die spezifischen Bedürfnisse der Kinder eingehend, folgende Bereiche zu fördern:


Erlernen von Strukturen: Gemeinsames Singen, Musizieren, Sprechen fordert Strukuren: gemeinsamer Einsatz, Einhalten von Rhythmen, gezielte Abläufe bei der Auswahl der Instrumente, wiederkehrende Lieder zur Begrüßung und Verabschiedung geben nur eine Auswahl wider. Strukturen geben Sicherheit und Orientierung. Strukturen helfen, den Alltag zu bewältigen, ihn zu durchschauen und mit zunehmendem Alter selbst strukturiert an Aufgaben heran zu gehen. Besonders für junge Menschen ohne oder eingeschränkter visueller Wahrnehmung ist das Erlernen von Strukturen eminent wichtig! Derart ausgebildete Grundlagen wirken langfristig positiv auf Teilbereiche wie Raumvorstellung, Raumorientierung, elementare Zahlbegriffsentwicklung u.a.m!

Gemeinschaftserlebnisse  haben die Kinder beim gemeinsamen Singen, einander Begrüßen durch Namensspiele, Tanzen, einander Zuhören. „Musik bedeutet Freude“ – damit drückte Goethe die tiefe Empfindung aus, die Menschen spüren, wenn sie Zugang zur Musik gefunden haben. In der Gruppe erwächst aus dieser Freude und dem emotional positiven Erleben ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl.


Das Sozialverhalten wird geschult durch aufeinander Hören, sich Profilieren und Zurücknehmen, Rücksichtnahme üben  und sich als Teil der Gruppe begreifen. Soziale Beziehungen werden durch das Band der Musik wahrgenommen, erfahren und erlebt.

Die Sprache und die Sprachentwicklung sind ein weiterer wichtiger Bereich der Musikerziehung. Deutliches Sprechen, Begriffsbildung, Lernen von Texten, gesungen und gesprochen und auch Unterrichtsgespräche zur Vertiefung von Inhalten bieten den Kindern zahlreiche Gelegenheiten, ihre Sprachkompetenz zu erweitern. Neben dem Sprechen von Reimen, Finden von Reimwörtern, Hören und Nacherzählen von Geschichten wird auch die Singstimme gefördert durch Singen alter und neuer, altersgemäßer Kinderlieder, die dem Tonumfang der Altersgruppe entsprechen.


Sinnliche Wahrnehmungsangebote (Tasten, Hören, Sehen) sprechen die Bedürfnisse der Kinder in besonderer Weise an. Durch Ertasten unseres „Flaschen-Xylophons“, soweit möglich genaues Betrachten neuer Instrumente, ganz aktuell dem Gestalten und Beziehen einer eigenen Trommel, Hören der eigenen und fremden, unterschiedlichen Klänge der Kalimba (unser Instrument für den Anfangs- und Schlusskreis, von jedem Kind gespielt) nehmen die Kinder differenziert wahr, trainieren diese Fähigkeit und machen sich die Klänge und Materialien des Unterrichts dadurch zu eigen.

Beim Hören von Geräuschquellen und der Orientierung dorthin trainieren vor allem die blinden Kinder ihre räumliche Orientierung. Genaues Hinhören, differenziertes Wahrnehmen verschiedenster Geräusche, Schätzen lernen ästhetisch ansprechender Klänge verhelfen dem blinden und sehbehindertem Kind zur Fähigkeit, sich im Klangchaos der Umwelt zurecht zu finden. Musikerziehung ist immer auch Hörerziehung und davon profitiert in besonderer Weise ein Kind, das darauf angewiesen ist, seine verbleibenden Sinne optimal zu schulen.


Das sehbehinderte Kind wird darin gefördert, seine eingeschränkte Sehfähigkeit effektiv zu nutzen. Mit dem Einsatz klarer Formen, Farben und ausgewählter Unterrichtsmaterialien wird in der SVE auf dieses Bedürfnis eingegangen. Uneingeschränkt sehfähige Kinder nehmen ihre visuelle Umwelt wahr und werden mit weitaus differenzierterem Material konfrontiert. Da in der SVE des SBZ Unterschleißheim mehrere Kinder in ihrer Sprachentwicklung verzögert sind, nimmt das gesprochene Wort einen großen Raum ein zur Festigung der Inhalte und der gezielten Förderung der Sprachkompetenz und damit der Kommunikationsfähigkeit. Noch stärker ist das blinde Kind auf Verbalisierung angewiesen, um das Ertastete zu beschreiben und sich ein Bild davon zu machen. Statt optischer Impule benötigen die blinden Kinder unterschiedliche Materialien, die haptisch erfasst werden. In Regeleinrichtungen baut die Förderung aller Kinder auf differenzierte Impulse, schnellere Abfolgen, weniger Wiederholung z.B. von Liedern, Versen, Rhythmen, Strukturen. In der SVE kann optimale Orietierung im Raum nicht vorausgesetzt werden, sie wird trainiert. Um die intensive Betreuung jedes einzelnen Kindes zu gewährleisten, sollte in der Musikalischen Frühförderung sehbehinderter und blinder Kinder eine Gruppengröße von 5 – 6 Kindern nicht überschritten werden, in Regeleinrichtungen betragen die Gruppengrößen 10 – 12 Kinder. Die Musikalische Früherziehung von Kindern ohne Beeinträchtigungen orientiert sich in Musikschulen am LEHRPLAN MUSIKALISCHE FRÜHERZIEHUNG, herausgegeben vom Verband deutscher Musikschulen e.V. (VdM) und „dient insbesondere der Vorbereitung der instrumentalen und vokalen Ausbildung in der Musikschule“  (LEHRPLAN MUSIKALISCHE FRÜHERZIEHUNG, Gustav Bosse Verlag, 2008, S. 10). Diese Zielsetzung verfolgt die Musikalische Frühförderung in der SVE nicht primär, sie orientiert sich an den eingeschränkten Fähigkeiten der teilweise mehrfach beeinträchtigten Kinder, baut auf Wiederholen, Festigung, Entdecken und Kompensation des mangelnden oder fehlenden Sehvermögens durch intensives Hören, Fühlen, Tasten. In integrativen Gruppen können diese Schwerpunkte nicht vorausgesetzt werden.

Bewegung und Begriffsbildung werden durch Musik angeregt und gefördert, beispielsweise  beim gestischen Ausgestalten von Liedern, Ausdruckstanz zu abgespielter Musik und Kreistänzen. Begriffe füllen sich mit Inhalten. Begriffe, die der Raumoriertierung dienen, werden durch Bewegungslieder spielerisch eingeübt (u.a.  Schritt, Sprung, eng, stehen, drehen).
Musik- und Bewegungserziehung sind im Elementarbereich eng verknüpft und kommen dem kindlichen Bewegungsbedürfnis besonders entgegen.


Die sehbehinderten und blinden Kinder der SVE unseres Zentrums singen und musizieren oft mit großer Begeisterung. Es motiviert sie darüber hinaus, sich spontan zur Musik zu bewegen und oft breitet sich ein entspanntes Lächeln über das Gesicht eines blinden Mädchens aus, wenn es selbst Töne auf Instrumenten wie der Kalimba oder einem Glockenspiel zum Klingen bringt. Das Kind empfindet Freude dabei, seine Eigentätigkeit akustisch wahrzunehmen.

Zusammenfassend unterscheiden sich die musikpädagogischen Inhalte der Frühförderung sehbehinderter und blinder Kinder im Gegensatz zu sehenden Kindern nicht grundsätzlich. Dafür heben sich die methodisch-didaktische Herangehensweisen, wie oben beschrieben, und die Gruppengröße im speziellen Förderbedarf, ausschlaggebend für den Erfolg der Fördermaßnahme, ab. Der Stellenwert der musikalischen Frühförderung für Kinder mit eingeschränkter visueller Wahrnehmung ist allerdings für die weitere Entwicklung erheblich bedeutsamer als für sehende Gleichaltrige, die auf Grund eines vielfach höheren Reiz- und Anregungsangebotes ihrer Umwelt positiv beeinflusst werden.

Die Inhalte einer frühen und elementaren Musikerziehung unterstützen somit alle Kinder in ihrer Entwicklung. Blinden und sehbehinderten Kindern eröffnet sich in einem ihren Bedürfnissen angepassten Rahmen ein Weg hin zur Musik, die zu erfassen eine Bereicherung für das eigene Leben grundlegen kann. Und ganz nebenbei lernen sie fürs Leben.